Unsere Kirche in Lancken
von Ulrike Kloss und Ingrid Nienkerk


Unsere Kirche in Lancken wurde erstmals erwähnt im Jahr 1229. Damals war sie vermutlich eine Kapelle, die einhundert Jahre später abgebrochen wurde. Die geschätzte Entstehungszeit unserer heutigen Kirche ist wohl die Zeit des 14./15. Jahrhunderts. Unsere Kirche ist ein frühgotischer und rechteckiger Feldsteinbau mit einer gewölbten Sakristei und einem Satteldach. Der Ostgiebel ist mit Blendnischen verziert. Sie hat keinen Turm und ihren jetzigen Eingang an ihrer Südseite. An der Westseite steht ein kleiner Glockenstuhl, der Dank des gegründeten Vereins neu aufgebaut werden konnte. In ihm hängt eine Glocke.

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Im Innenraum unserer Kirche befindet sich ein sehr schöner und gut erhaltener Schnitzaltar aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, der von einem Gehilfen des Meisters der Güstrower Domapostel geschaffen wurde. Als der Altar noch vollständig war, handelte es sich um einen Wandelflügelaltar. Im Schrein, unter zierlichen Gewölben und reichen Rankenschnitzereien sieht man Maria mit ihrer Mutter und dem Kind, Maria mit ihrem Kind und Jakobus den Älteren. In den Flügeln die 12 Apostel, jeweils in zwei Reihen aufgestellt mit ihren Attributen in der Hand. Mit Hilfe dieser Flügel konnte man den Schrein zuklappen. Ihre Rückseiten zeigten acht Gemälde aus dem Leben der Jungfrau Maria. Zweite Flügel, die ebenfalls nicht mehr vorhanden sind, zeigten die Heilige Maria mit dem Kind und die Heilige Katharina.

Jetzt sehen wir den Mittelschrein mit all seinem Zierwerk. Eingerahmt ist er von zwei Heiligen. den Heiligen Antonius und den Heiligen Erasmus. Auf der Predella, dem Abschnitt unterhalb des Mitteschreins, sehen wir Christus als Schmerzensmann, eingerahmt von den vier Kirchenvätern, Basilius, Gregor, Chrysostomus und Athanasius.

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Unserer Kirche ist in einem guten Zustand. Der Innenraum ist in seiner braunen Farbgebung ein einladender freundlicher Gottesdienstraum. Sorgen macht uns der Westgiebel. Wenn man sich ihn genauer ansieht, dann sieht man ihm die Sanierungsbedürftigkeit an. Ein Gutachten ergab, dass man dafür wohl 60.000 € aufbringen müsste. Wer soll das bezahlen? Auch die Farben auf dem Altar bereiten uns Sorgen. So manches Farbteil löst sich. Er braucht eine Nachbesserung durch fachmännische Hand.

Pastorin U. Kloss mit Hilfe der Aufzeichnungen, die in der Kirche Lancken liegen



Nun berichtet Frau Ingrid Nienkerk weiter:

Der Lanckener Flügelaltar war immer ein Geheimtipp. Herr Westphal, damals Lehrer und Denkmalschützer, war immer ärgerlich, wenn Berichte über den Altar veröffentlicht wurden, weil er um das Kleinod fürchtete, je bekannter es wurde. – Er sollte recht behalten!

Gleich nach der Wende konnte Propst Schulz mit Hilfe der Hamburger Familie Wessendorf (ehemals Besitzer des Gutes Lancken) die Restaurierung der hinfälligen Friese-Orgel und der zerschmissenen Kirchenfenster in Angriff nehmen. Zur Orgelweihe im Mai 1992 kamen auch in zwei Bussen Gäste aus Hamburg angereist. Es war sehr feierlich, die Kirche randvoll. Irgendwer in der Menge muss sofort den Wert des Altars erkannt haben und auch das ungesicherte einfache Schloss der Kirchentür.

Später stellte sich heraus, dass ein kleines Fenster auf der Orgelempore angekippt blieb, durch das die Diebe (Wir vermuten Auftragsklau reicher Leute) an einem Abend im Juni 1992 (Y. Menhudin konzertierte gleichzeitig in St. Georgen) eindringen konnten, die kostbaren Altarflügel heraushoben und abtransportierten. Wertvolle Leuchter verschwanden ebenfalls. Galliger Kommentar eines Ortsansässigen: „Pest und Cholera, Dreißigjähriger Krieg, Inflation und Weltkrieg, amerikanische und russische Besatzung, real existierender Sozialismus, alles hat der Altar überstanden, aber die „freie Marktwirtschaft“ nicht.“

Polizeiliche Nachforschungen, die recht lax betrieben wurden in dieser Wendezeit, blieben bis heute ergebnislos (Schätzwert des Altars: eine
halbe Million Mark).